Wer in Deutschland über Aktien spricht, bekommt oft Reaktionen wie „Bist du jetzt unter die Spekulanten gegangen?“ oder „Ich gehe mit meinem Ersparten kein Risiko ein!“ zu hören. Dabei hat der Kapitalmarkt gar nicht zwingend etwas mit Risiko oder Spekulation zu tun. An der Börse geht es nicht darum, schnell reich zu werden, den Markt perfekt vorherzusagen oder jedes Risiko auszuschließen. Es geht darum, mit einer durchdachten Strategie, einem angemessenen Risikobewusstsein und einem langfristigen Anlagehorizont die Chancen der Kapitalmärkte zu nutzen. Um der weit verbreiteten Skepsis gegenüber der Börse zu begegnen, möchten wir zunächst mit einigen Börsen-Mythen aufräumen:
1. Die Börse ist nur etwas für Reiche
Man muss nicht reich sein, um an der Börse zu investieren. Viele Broker ermöglichen bereits Sparpläne ab 1 € monatlich. Entscheidend ist nicht, wie viel Geld man zu Beginn besitzt, sondern dass man frühzeitig anfängt und langfristig Vermögen aufbaut. Durch den Zinseszinseffekt können selbst kleine, regelmäßige Beträge über viele Jahre zu einem beachtlichen Vermögen anwachsen.
2. Investieren ist reines Glücksspiel
Im Gegensatz zum Glücksspiel basiert erfolgreiches Investieren auf wirtschaftlichen Entwicklungen, Unternehmenskennzahlen und langfristigen Wachstumsperspektiven. Natürlich lassen sich Kursentwicklungen nicht sicher vorhersagen und Verluste gehören dazu. Wer jedoch breit gestreut investiert und langfristig denkt, kann Risiken reduzieren und sich die Chancen der wirtschaftlichen Entwicklung zunutze machen.
3. Man braucht viel Fachwissen für die Börse
Wer einzelne Unternehmen analysieren und gezielt Aktien auswählen möchte, benötigt durchaus Fachwissen. Für einen erfolgreichen Vermögensaufbau ist das aber keine Voraussetzung. Mit breit gestreuten ETFs kann man bereits mit wenig Aufwand in Tausende Unternehmen weltweit investieren. Die Grundlagen sind überschaubar und lassen sich auch ohne wirtschaftliches Studium erlernen.
4. Die Aktie ist bereits viel zu stark gestiegen
Ein stark gestiegener Aktienkurs bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie überbewertet ist oder nicht weiter steigen kann. Entscheidend ist vielmehr, wie sich der Unternehmenswert im Verhältnis zum Aktienkurs entwickelt. Erfolgreiche Unternehmen können über viele Jahre wachsen und immer neue Höchststände erreichen. Wer ausschließlich auf vermeintlich günstige Einstiegskurse wartet, läuft Gefahr, langfristige Wachstumschancen zu verpassen.
5. Hin und her macht Taschen leer
Häufiges Kaufen und Verkaufen verursacht Transaktionskosten, kann steuerliche Nachteile mit sich bringen und verleitet zu emotionalen Fehlentscheidungen. Langfristig orientierte Anleger profitieren deshalb häufig von einer konsequenten Buy-and-Hold-Strategie. Das bedeutet allerdings nicht, dass man niemals verkaufen sollte: Ändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder die eigene Anlagestrategie, kann ein Verkauf durchaus sinnvoll sein.
6. Man muss auf den perfekten Zeitpunkt warten
Den perfekten Einstiegszeitpunkt im Voraus zu erkennen, ist selbst für erfahrene Anleger nahezu unmöglich. Wer zu lange auf den vermeintlich idealen Moment wartet, verpasst möglicherweise bereits einen erheblichen Teil der Kursgewinne. Langfristig ist es häufig sinnvoller, frühzeitig und regelmäßig zu investieren, anstatt zu versuchen, den Markt zu timen. Bei Einmalanlagen kann eine gestaffelte Investition zudem helfen, psychologische Einstiegshürden zu überwinden.
7. Geld auf dem Tagesgeldkonto ist sicherer
Auf einem Tagesgeldkonto ist das nominale Guthaben innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung in der Regel bis 100.000 € pro Person und Bank geschützt. Allerdings ist das Geld nicht vor Inflation geschützt: Steigen die Lebenshaltungskosten stärker als die Zinsen, verliert das Guthaben real an Kaufkraft. Aktien unterliegen zwar Kursschwankungen und können erhebliche Verluste verursachen, bieten langfristig aber bessere Chancen auf einen realen Vermögenszuwachs. Sicherheit bedeutet daher nicht nur, Verluste auf dem Konto zu vermeiden, sondern auch, die Kaufkraft des eigenen Vermögens zu erhalten.